Wahrsagerei oder Wissenschaft? Polizei sagt via Algorithmen Verbrechen voraus

Es klingt irgendwie nach Science Fiction: Die österreichische Polizei geht nämlich bei der Verbrecherjagd ganz neue Wege. Mit Hilfe einer Software lassen sich die Beamten vorhersagen, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort Verbrechen passieren werden …

Algorithmen können quasi alles. Sogar in die Zukunft schauen und kommende Verbrechen aufzeigen. So soll zumindest das „Predictive Policing“ funktionieren. Die österreichische Polizei nutzt dies nun, um Dämmerungseinbrüche durch die Verbindung von Standorten mit der Kriminalität zu verhindern. Für die Aufgabe dieses sogenannten „Crime-Mapping“ wurden eigene Programmierer eingestellt.

Software filtert besonders gefährdete Gegenden heraus

Die Software funktioniert auf dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit. Sie wird von der Polizei mit Daten zu vergangenen Einbrüchen gefüttert – Tathergang, Uhrzeit, Ort etc. Nachdem es sich gerade bei dieser Art von Straftat um Seriendiebe handelt, soll das System so besonders gefährdete Zonen herausfiltern. Hierfür werden auch noch weitere Charakteristika zur Bewertung herangezogen, beispielsweise die Anzahl der Wohnungen ein einer Siedlung und die Nähe zu einer Autobahn als guten Fluchtweg.

Bundeskriminalamt: Einbrüche konnten stark minimiert werden

Gegenüber der österreichischen Tageszeitung Standard gibt das Bundeskriminalamt an, dass durch diese Ermittlung von „Hotspots“ und der vermehrten Aussendung von Beamten dorthin die Zahl der Einbrüche signifikant eingedämmt werden konnte. Gab es 2016 noch 6680 angezeigte Einbrüche, waren es letztes Jahr nur mehr 5808. Das Bundeskriminalamt begründet diese Entwicklung unter anderem mit der erfolgreichen Ermittlungsarbeit.

„Predictive Policing“ wird schon seit 2015 getestet. In Zukunft soll es auch Facebook-Echtzeitwarnungen für bestimmte Gebiete geben, um die dortigen Personen präventiv zu warnen. Aufgrund der dadurch entstehenden Sensibilität der Bewohner könnte die Polizei eventuell auch effiziente Hinweise zu Verdächtigen erhalten.

Kritiker: “Verbrechen unterliegen keinen Mustern”

Die Polizei schwört also auf die neue Methode. Deutsche Studien bescheinigen dem Predicitve Policing keinerlei Erfolg, überhaupt wird es in Deutschland stark kritisiert. Unter anderem, weil die Vorhersage beispielsweise das „Racial Profiling“ verstärke. Die Grundrechts-NGO Epicenter Works sieht das Ganze im Gespräch mit dem Standard als nicht nachprüfbaren „Aberglauben“ an: „Fährt die Polizei zu einem mutmaßlichen zukünftigen Tatort, wo dann nichts passiert, ist nicht feststellbar, ob die Vorhersage falsch war oder die Anwesenheit der Polizei die Tat verhindert hat.“ Verbrechen unterliege keinen Mustern, sondern seien ein soziales Phänomen. Gute alte Polizeiarbeit sei nach wie vor das Beste, um Verbrechen zu verhindern.

Quelle: Standard Online

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